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An dieser Stelle habe ich doch schon einige Male über Kindererziehung und ähnliches geschrieben. Erstens, weil mir das Thema aufgrund meines persönlichen Umfelds (3 Kinder) interessiert und zweitens, weil ich Masochist genug bin, mir die Kommentare unter Artikeln über Erziehung anzusehen.

Meinungen hinaus posaunen

Ich weiß nicht, ob es eine österreichische Eigenheit ist, aber es fühlt sich hier jeder bemüßigt seine Meinung hinauszuposaunen, egal wie falsch (besser unfundiert) sie ist. So durften wir uns von Pensionisten anhören, wie junge Männer ihr 19. Lebensjahr verbringen müssen. In Foren zu Ebola werden weiterhin Schauermärchen erzählt, dass die Pharmaindustrie Mittelchen zurück hält, um dann richtig abzucashen, wenn die halbe Welt im Sterben liegt. Und natürlich weiß jeder in Österreich, wie es ist, Kinder zu erziehen. Da wiederum vor allem Leute, die mit Kindern gar nichts am Hut haben.

Derzeit werden wieder einige Artikel zum Thema Karenz, und wie wenig Männer da doch mitmachen geführt. Man kann sich anhören, dass die armen Firmen zugrunde gehen würden, wenn mehr Männer daheim bleiben. Dass ja eh schon jeder fünfte Vater daheim bleibt. Am coolsten ist die Wirtschaftskammer, die meint, den Papamonat brauchts eh nicht, können ja in Urlaub gehen, wenn sie daheim bleiben wollen.

Mitarbeiterausfall

Also liebe Firmen zum Verlust: Ihr müsst die Person in Karenz während dieser Zeit nicht bezahlen (das macht die Krankenkasse, eigentlich cool, wenn man bedenkt, dass Kinderkriegen eigentlich das Gegenteil von krank sein ist). Ja, ihr müsst Ersatz finden, aber doch nicht von heute auf Morgen, das Gesetz sagt, dass man 4 Monate vor Antritt der Karenz den Arbeitgeber darüber in Kenntnis setzen muss (Meldefrist). In dieser Zeit sollte es doch irgendwie machbar sein, Ersatz zu finden, vor allem, da es derzeit sowieso immer mehr Arbeitssuchende gibt. Und ganz ehrlich, jeder will – und damit meine ich auch Chefs – dass Frauen das gleiche leisten wie Männer, warum verlangt man dann nicht im Umkehrschluss das gleiche leisten wie Frauen?

Zum Ende der Überlegungen möchte ich noch ein wenig zur Statistik kommen. Laut allen möglichen Studien gehen etwa 20% der österreichischen Männer in Karenz. Wenn man in Elterncafes ist, oder beim Einkaufen, oder sonstwo, wo viele Menschen mit Kindern zusammen kommen, fragt man sich, wie diese Zahlen zustande kommen. Deshalb habe ich mich bei der Statistik Austria ein wenig schlau gemacht und gefunden, das statistisch gesehen Männer gar nicht in Karenz sind. Tatsächlich sind jederzeit so wenig Männer in Karenz, dass deren Zahl als unzuverlässig gilt, weil sie kleiner ist als die Standardabweichung. Es sind also derzeit etwa 2000 Männer +/- 3000 in Karenz. Bei den Frauen ist das ein wenig anders.

Das habe ich von der Statistik Austria. Im Jahr 2012 waren statistisch nicht vorhanden viele Männer in Karenz (copyright Statistik Austria)

Das habe ich von der Statistik Austria. Im Jahr 2012 waren statistisch nicht vorhanden viele Männer in Karenz (copyright Statistik Austria)

Wie kommt das? Nun ganz einfach, Männer bleiben normalerweise nicht länger als 3 Monate zu Hause. Wahrscheinlich, weil sie zu wichtig in der Arbeit sind (Achtung Sarkasmus), wie ein Chef den ich einmal hatte, und ohne den das System weit besser und effizienter funktionierte.

Respekt

Herrschaften, es würde besser funktionieren, wenn wir uns alle ein wenig zurück nehmen würden und vor anderen etwas mehr Respekt hätten. In diesem Sinne auch das erste meiner beiden Videos:

Das ist eine nette Truppe und hat mit dem Thema nix mehr zu tun. Sind aber Wiener mit einem Einschlag zu Blues und Wienerlied (wobei das sowieso gut passt):

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