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Vor einigen Tagen war da dieses Interview von Frank Stronach auf puls4 (an dieser Stelle kann man das Ende des Interviews ansehen). Unter anderem hat er dort erwähnt, dass Studenten in technischen Berufen, die in der Wirtschaft benötigt werden, keine Studiengebühren bezahlen sollten, während dies Sozialwissenschaftler sehr wohl tun sollen.

Naturwissenschaft gegen Sozial- und Geisteswissenschaft

Menschen die mich kennen, wissen, dass ich als Naturwissenschaftler ganz gerne über Fachfremde Menschen witzle. So kann es schon einmal vorkommen, dass ich den Witz vom Jusstudenten und Physikstudenten erzähle, die beide das Telefonbuch auswendig lernen sollen. Beide stellen dem Professor dazu eine Frage, der Physiker meint:“Warum?“ während der Jurist fragt:“Bis wann?“

Das soll zeigen, dass es oft eine unterschiedliche Wahrnehmung unterschiedlicher Themengebiete gibt. Ich würde aber nie wagen zu behaupten, dass deshalb ein Physiker intelligenter als ein Jurist ist, schon gar nicht möchte ich eine Aussage darüber machen, welcher wichtiger/wertvoller für die Gesellschaft ist, wie dies Frank Stronach tut. Erstens, da sich diese Fächer am freien Markt sowieso selbst regulieren (ja das ist jetzt echter Haifischkapitalismus, ich weiß, aber seid ehrlich so ist es doch auch). Ein Geschichte-Absolvent kann nämlich wirklich gut werden, sich fortbilden, und dann überall unterkommen, angefangen von typischen Historiker-Jobs bis hin zu Managementposten in einer Firma. Gerade seine Zeit in Nordamerika sollte Stronach das gelehrt haben, denn es kommt in den USA weniger darauf an, was man studiert hat sondern mehr wo man studiert hat.

Zweitens – und hier stehe ich in vollkommenem Gegenspruch zu Stronach – gerade in der Wirtschaft sollte man mehr auf Absolventen der Sozialwissenschaften setzen. In Zeiten in denen 30% der Arbeitnehmer Beschwerden durch die Arbeitsstelle bekommen (25% der befragten Arbeitnehmer gaben an unter psychischem Druck zu stehen, und über 40% merkten an, dass ihre Arbeit nicht anerkannt werde), täten Firmen gut daran psychologische und soziologische Betreuung bei der Gestaltung der Arbeitsplätze zu berücksichtigen.

Soviel zu den sinnlosen Soziologen.

Doch noch etwas

Nein, mir ist doch noch ein Punkt eingefallen, wo Soziologen/Psychologen helfen könnten. Nämlich beim Gender-Gap. Ja, Frank Stronach wusste im Interview nicht, was eine Frauen-Quote ist, aber wen verwundert das, das wird ja erst seit etwa 30 Jahren eingesetzt und gabs noch nicht, als Frank Stronach sein Imperium aufbaute.

Ich bin nämlich tatsächlich über einen Blog zu einem Artikel gestoßen, in dem tatsächlich wissenschaftlich nachgewiesen wurde, dass Frauen bei Bewerbungen zu wissenschaftlichen Stellen benachteiligt werden (und zwar statistisch relevant).

Was haben die getan? Nun sie haben ein und die selbe Bewerbung (und CV) an unterschiedliche Stellen geschickt. Es gab an den Bewerbungen nur einen Unterschied, und zwar die Wahl des Namens. So gab es weibliche Fake-Bewerbungen, als auch männliche Fake-Bewerbungen. Die Professoren mussten dann aufgrund der Unterlagen Aussagen zu der Person machen. Dabei schnitten die „weiblichen“ Bewerber weit schlechter ab, als die vollkommen gleichen „männlichen“ Bewerber.

Gender-Studie

Bei Noten von 1-7 bekam die männliche Bewerbung in allen Bereichen eine Bewertung um mindestens einen Notengrad besser als die korrespondierende weibliche Bewerbung (aus Moss-Racusin CA, Dovidio JF, Brescoll VL, Graham MJ, Handelsman J.:“Science faculty’s subtle gender biases favor male students.“ PNAS 2012 Sep 17. [Epub ahead of print]

Was zeigt uns das? Wer sagt nochmal, das Frauenquoten doof sind? Naja, das sind die selben Menschen denen jegliche wissenschaftliche Arbeit (sei sie soziologisch oder aber naturwissenschaftlich) suspekt ist, und die lieber ihre eigenen Vorurteile zur Beurteilung verwenden.

Am Ende

Wieder am Ende und daher möchte ich hier noch rasch ein Bild von einem Bartgeier bringen, wenn er schon in meiner Überschrift vorkommt. An alle da draussen, die sich profilieren wollen. Schickt mir Bartgeier mit Brillen, der beste Einsender bekommt von mir einen Lutscher.

Bartgeier (lat. Gypaetus barbatus)

Bartgeier (lat. Gypaetus barbatus) copyright Richard Bartz der dieses Foto freundlicherweise bei Wikipedia veröffentlicht hat.

Und weil ihr natürlich ein Video wollt habe ich hier einen Teaser von der Les Miserables Verfilmung mit Hugh Jackman als Jean Valjean:

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Schon über ein Monat, seit meinem letzten Eintrag. Himmel wie die Zeit vergeht. Aber als Anlass habe ich jetzt eine Horror-Meldung.

Beinahe 10% der Verbrechen in Wien werden in Favoriten begangen!

So sieht der Alltag in Favoriten aus, oder? An jeder Ecke ein Messerattentäter, aber die rechten Recken, werden uns retten 🙂 (das Bild hab ich übrigens von dieser site: http://www.brig-wallis.com)

Das habe ich aus der FPÖ-Wahlwerbung. War gleich ganz vorne, nachdem sie das Freiheitliche Oktoberfest am Viktor-Adler-Markt beworben haben.

Sündenpfuhl Favoriten?

Wollen wir das ganze etwas nüchterner betrachten (immerhin ist noch kein Oktoberfest). In Favoriten lebten im Jahr 2011 etwa 180.000 Menschen. In Gesamtwien leben etwa 1,7 Millionen Menschen. Das heißt hier wohnen knapp über 10% der Bevölkerung. Favoriten ist damit der Bevölkerungsreichste Bezirk Wiens. Na klingelt es bereits? Ja, die FPÖ will uns offensichtlich zeigen, wie sicher wir hier in Favoriten leben, denn offensichtlich finden hier unterdurchschnittlich viele Verbrechen statt (2009 waren es 20.000 Delikte siehe diesen Artikel). Interessant dabei vor allem, dass im 1. Bezirk im Jahr 2009 28.000 Delikte begangen wurden, also etwa 13% aller Verbrechen, bei einer Einwohnerzahl von 17.000 also gut und gern 1% der Bevölkerung.

Muss ich jetzt Angst haben, wenn ich durch die Kärnterstraße gehe? Wohl kaum, andererseits sollte ich auch keine Angst vor Favoriten haben. Die meisten Delikte sind übrigens Eigentumsdelikte (siehe Kriminalstatistik des Bundeskomissariats), also wenn einem etwas geklaut wird. Ich gebe schon zu, dass ist eher unangenehm (auch mir sind bereits drei Fahrräder geklaut worden), aber genau aus diesem Grund gibt es Versicherungen, oder?

Gewaltverbrechen (Morde, Vergewaltigungen, Körperverletzungen) werden im überwiegenden Teil in der eigenen Familie oder Bekanntenkreis begangen. Sie kennen also mit ziemlicher Sicherheit bereits ihren Mörder. Außerdem ist hier die Aufklärungsrate sehr hoch (bei 86% Tendenz steigend), was zwar vielleicht wenig tröstlich für Sie als Leiche ist, aber wenigstens kommt der Schurke dafür hinter Gitter.

Ach und übrigens steigt die Gewaltbereitschaft durch übermäßigen Alkoholkonsum. Es würde mich daher freuen, wenn ihr, liebe FPÖler kein Bier bei uns ausschenken würdet, dadurch fühl ich mich dann gleich bedroht und kriege Angst.

Apropos Angst

Wirklich Angst machen mir vor allem die FPÖ-Frauen. Die werden jetzt alle in Dirndln gesteckt. Selbst die Wiener FPlerinnen, quasi österreichische Burka, weil das ja schon irgendwie seltsam ist in der Wachauer-Tracht durch Wien zu flanieren (immer sechs Schritte hinter dem Herrn Gudenus). Hier ein Foto von der FPÖ-site von Henriette Frank, die auch in dem Pamphlet auftauchte:

Henriette Frank – Landtagsabgeordnete und Wohnbausprecherin (copyright FPÖ Wien)

Noch Erfreuliches

Damit wir nicht nur von Politik reden, kommt hier auch noch die Meldung von mir, dass ich jetzt irgendwelchen Jugendlichen die Freuden der Chemie schmackhaft machen darf. Und um das gebührend zu feiern kommt hier das erste Video, dass sich in einem satirischen Beitrag zur chemischen Industrie ergibt:

Das zweite Video habe ich vor kurzem auch auf Facebook gepostet, das ist aber so genial (Textmäßig), dass ich es hier noch einmal verbreitere (im übrigen auch eine Persiflage):