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Heute ein etwas untypischer Eintrag zu Wirtschaftsfragen. Ja ich bin kein großartiger Experte, und ich nehme auch an, dass meine Meinung dazu nicht die profundeste ist. Allerdings beziehe ich mich auch auf ein Interview dass ich gestern im Morgenmagazin gehört habe.

Die ARD-Reporter nahmen dabei den luxemburgischen Aussenminister Jean Asselborn ins Kreuzverhör.

Hier der luxemburgische Außenminister fotografiert von Matti Järvinen

Der Luxemburger verteidigte dabei den ESM und auch die Forderung Frankreichs und Italiens der EZB alle Nationalbankgelder zu unterstellen. Deutschland ist dagegen, weil sie Angst um ihr Geld haben. Asselborn meinte aber, die Deutschen sollten ihre Verantwortung wahrnehmen, anstatt in Kleinstaatlichkeit zu verharren, woraufhin ihm Ressentiments gegenüber Deutschland vorgeworfen wurde.

Zahlen und Fakten

Ich bin ja ein großer Freund von Solidarität, ich habe mir dann aber überlegt, haften die Deutschen tatsächlich für so viel? Natürlich haben sie die größten Verpflichtungen, aber natürlich sind es auch die meisten Einwohner in Europa, und zusätzlich haben sie einen der höchsten pro Kopf BIP. Zahlen sie noch immer am meisten, wenn ich den in Relation zu den Zahlen setze?

Hier also einige Zahlen zum ESM. Deutschland haftet für 128 Millionen Euro. Im Vergleich dazu liegt dieser Satz in Frankreich bei 96 Millionen, Österreich hat 13,5 Millionen versprochen (wohlgemerkt, dass sind ja nur Haftungsgelder, vielleicht braucht die ja auch keiner).

Auf die Bevölkerung gerechnet ist Deutschland schon lange nicht mehr die Nummer 1. Hier führt natürlich Luxemburg mit 2380 Euro pro Einwohner gefolgt von den Niederlanden mit 1612 Euro pro Einwohner. Deutschland, Finnland, Frankreich und Österreich sind ziemlich gleichauf mit 1500-1580 Euro pro Einwohner. Das heisst aber, dass das Risiko für die deutschen Einwohner nicht höher ist als unseres, oder das in Frankreich, und weit niedriger als das luxemburgische.

Besonders skurril wird es, wenn wir in die Relation auch noch das pro Kopf BIP mit einbeziehen, also die pro Kopf geschaffenen Werte pro Jahr des jeweiligen Landes. (Dafür habe ich die Pro-Kopf Haftungen noch durch das Pro-Kopf BIP gerechnet und mal 100 multipliziert, dass schöne Zahlen zwischen 0 und 5 rauskommen)

Hier führt Estland klar mit einem Wert von 4,62 vor Malta (4,43), Italien (4,36) und Frankreich (4,35). Deutschland liegt mit 4,10 hier nur auf Rang 6 von 14 Ländern, die Haftungen übernehmen, also im guten Mittelfeld. Österreich ist mit 3,89 direkt hinter Deutschland auf Platz 7. Vom Risiko her sind also die ökonomischen Zwerge Estland und Malta weit stärker betroffen als die reichen Onkels in Deutschland/Österreich. Vielleicht sollte man das bedenken, bevor man jammert, weil es so viel Geld ist, dass wir für die Südeuropäer zahlen.

Kontrolle

Natürlich ist auch meine Meinung, dass diese Staaten mit offenen Karten spielen müssen und keine Bilanzen fälschen um vor den anderen gut dazustehen, aber wir haben jahrelang das Burgenland subventioniert, auch Steuerzahler in Frankreich und Schweden, da das Burgenland eine wichtiges Entwicklungsgebiet war. Deutschland zeigte sich mit den Ostdeutschen Ländern solidarisch, und pumpte Unmengen in den Aufbau der Wirtschaft. Da sollte das jetzt auch möglich sein.

Ausweg

Viele Kritiker meinen, dass die Finanzhilfe zu einem Fass ohne Boden wird. Ja, dieses Risiko besteht, wenn wir nur Geld geben und weiterwursteln lassen. Dann werden wir auch in 50 Jahren noch einen Ausgleich an Vermögen machen müssen und jammern, dass uns die da unten Geld wegnehmen (das wir vorher dadurch verdient haben, weil wir sie mit unseren billigen Waren überfluten).

Es gibt aber einen Weg aus diesem Dilemma (eigentlich zwei, aber ich will nicht die Auflösung der Währungsunion und in Folge der EU). Eine Harmonisierung von Steuersystemen und Finanzabgabekontrolle würde da sehr helfen. Die Länder würden noch immer großteils die Einnahmen behalten, aber kein Land hätte Steuervorteile gegenüber dem anderen. Zusätzlich muss natürlich gewährleistet werden, dass alle Menschen ihre Steuern zahlen. Das ist immerhin das Hauptproblem in Griechenland, das praktisch jeder Steuern hinterzieht.

So und um meinen EU-Nationalstolz noch ein wenig pathetischer zu machen, kommt hier noch die Fahne der EU:

Ich hoffe da muss ich kein Copyright dazu schreiben.

Zum Schluss noch der Hinweis zu einem anderen Blog, der sich mit Literatur beschäftigt und daher den einen oder anderen interessieren könnte: Lapideus.at

Als Musikbeitrag habe ich hier die Europa-Hymne in einer alternativen Version von Kurt Sowinetz:

Das zweite Video ist das Solidaritätslied von Bert Brecht und Hanns Eisler. Dementsprechend das Thema schon etwas altertümlich vertont. Ein bisserl martialisch zwar, aber auch heute müssen wir uns die Frage stellen gemeinsam oder allein:

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