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Meine Frau war eben furchtbar entsetzt. „Ich kenne Conchita Wurst, weiß aber nicht, wie der Literaturnobelpreisträger 2011 heißt!“ Danach entpuppte sich das zu einem Gespräch über erfüllte und unerfüllte Zukunftsvorstellungen, die man als Student so hat. Meine Frau beklagte dabei, dass sie sich das Akademikerleben intellektueller vorgestellt hätte. Dem kann ich teilweise beipflichten. Möchte aber auch den Einwand im Raum lassen, dass erst die einfachen Dinge im Leben das selbe interessant machen.

Song Contest

Damit sind wir bei einem meiner Lieblingsthemen angekommen. Heute ist die österreichische Vorausscheidung, und ich werde mich an dieser Stelle hüten, alle 10 Beiträge vorzustellen oder gar zu beurteilen, dafür gibt es mehr als genug sites zum Beispiel hier oder hier und der Standard kommentiert auch wieder live.

Vielmehr möchte ich auch Werbung für Conchita Wurst machen (der link führt zu einem Beitrag Franzobels über Wurst), damit Österreich auch wieder einen dem Song Contest würdigen Beitrag schickt.

Damit meine ich, dass er nicht nur gut gesungen sein soll, nein, er muss vor allem trashig sein. An dieser Stelle muss ich auch dem Herrn Franzobel (im übrigen kein Literaturnobelpreisträger ich habs gewikit) widersprechen, der die Kunstfigur doch ziemlich runter macht.

Im übrigen wirklich fasziniert an Franzobels Artikel hat mich der Ausspruch „die geeinte Dichotomie zweier primärer Geschlechtsmerkmale“. Das Wort Dichotomie hab ich schon mehrmals gelesen, aber immer auch überlesen, weil ich keine Ahnung habe, was es bedeutet. Natürlich spricht Franzobel mit diesem Satz etwas an Conchita Wurst an, was mich von Anfang an faszinierte: Ihren Namen

Also hab ich Dichotomie gegoogelt, und es bedeutet „ein komplementäres Begriffspaar“ (das hab ich wieder aus Wiki), und weil ich finde „komplementäre Begriffe“ ist auch irgendwie ein relativ schwieriges Wort kommt noch eine Erklärung dazu: „Zwei sich ausschließende Begriffe A und B sind komplementär (es besteht die Beziehung des Komplements, eine Komplementär-Relation), wenn die Extension von A die Komplementmenge der Extension von B ist, d.h. der gesamte (Diskussions-) Bereich (universe of discourse) fällt entweder unter den Begriff A oder B.“ (auch wiki). Ich denke das könnte ich bis in alle Ewigkeit fortsetzen.

Was diese Einträge aussagen wollen ist, dass es sich um widersprüchliche oder auch entgegengesetzte Dinge handelt (Oh zwei Seelen wohnen ach in meiner Brust). Warum können „gebildete“ Menschen diese Dinge nicht gleich verständlich sagen? Es ging Franzobel ja nicht einmal um einen wissenschaftlichen Text, und sonderlich poetisch finde ich das Wort Dichotomie auch nicht.

Egal ich wollte nur sagen, voted heute Abend für Conchita Wurst. Dann verspreche ich Euch auch, dass ich Freunde zu mir einlade, die sich dann das Semifinale und Finale des Eurovision Song Contests bei mir ansehen müssen. Darüber werde ich dann vielleicht sogar Bilder im Internet verbreiten.

Hier noch das Video des/der AusnahmekünstlerIn:

P.S.: Für alle die es wissen wollen, im letzten Jahr wurde Tomas Tranströmer Literaturnobelpreisträger. Ein schwedischer Lyriker, das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum ich ihn nicht kenne.

Auch dieses Bild hab ich aus Wiki

Auch dieses Bild hab ich aus Wiki

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Gestern hab ich ein Streitgespräch gelesen. Die beiden Kontrahenten waren der Rapper Money Boy und der Benimmpapst Schäfer-Elmayer. Alleine diese Konstellation ist es wert, sich so etwas anzusehen, also gleich rein mit mir.

Interessanterweise entpuppte sich das Gespräch zu einer lauwarmen Selbstberäucherung beider „Kontrahenten“, die in diesem Interview eindrucksvoll bewiesen, dass Äusserlichkeiten vollkommen unwichtig sind.

Oberfläche

Beide betonte mehrfach, wie wichtig ein äußeres Erscheinungsbild sei, um in der Gesellschaft akzeptiert zu werden, oder wie Money Boy auf die Frage zu Markenwaren meinte:„Es ist oberflächlich, aber für mich hat das keinen negativen Beigeschmack. Es ist nicht schlimm, wenn man oberflächlich ist. Es stärkt das Selbstbewusstsein, wenn man coole Kleidung trägt.“

Schön, das der gelernte Publizist und Rapper so eine Meinung vertritt, wo doch Rap ursprünglich aus der unterpriviligierten Schicht der Schwarzen in Amerika entstand, die sich alles mögliche, aber sicher nicht Gucci und Prada (Money Boys Lieblingsmarken) leisten konnten. (hier ein kurzer Auszug etwa aus der Geschichte des Rap natürlich auch von Wikipedia: In New York etablierte sich Ende der 1970er ein Trend in den vorwiegend schwarzen Ghettos, in Abrisshäusern selbstorganisierte Partys zu feiern (sogenannte Blockpartys), da sie zu den Clubs häufig nur schwer Zugang bekamen. Auf diesen Blockpartys wurde der Rap häufig genutzt, um die Menge anzuheizen und sich selbst vor- und darzustellen.).

Da will ich jetzt nicht zu sehr schimpfen, weil das betrifft im Endeffekt sowieso die meisten erfolgreichen Rapper, dass sie sich von den Wurzeln entfernen.

Der Benimm und die Frauen

Der eigentliche Hauptgrund, warum ich mich aufraffe diesen Artikel zu verfassen ist aber etwas, was Herr Schäfer-Elmayer zum Besten gegeben hat, und das von Money Boy auch ohne irgendein Gegenwort akzeptiert wurde.

Es ging dabei vor allem darum, dass die Frage rund um Schüler/Schule begonnen hat, da Schäfer-Elmayer diesen Ratgeber für Schüler verfasst hat. Ich möchte an dieser Stelle natürlich betonen, dass beide Diskutanten sicher nicht großartige Kenner der Bildungspolitik Österreichs sind, aber bitte, schlimmer als Statement Österreichischer Politiker kann Elmayers Aussage auch nicht werden.

Nachdem beide (Money Boy und Elmayer) sich einig waren, dass Lehrer heute oft überfordert sind, Eltern lieber dem Lehrer als ihrem missratenen Fratzen die Schuld für Ärger geben, selbst aber sowieso viel zu wenig Zeit für die Zöglinge haben (hier wurde natürlich nicht gesagt, wer der Eltern mehr Zeit mit den Kleinen verbringen soll, aber wir wissen doch alle, was solche Aussagen impliziern)

Dazu ein kleiner Buchtipp:

http://www.evarossmann.at/anderes/heim-an-den-herd/

Aber nach all dem Spannungsaufbau hier die Erklärung von Herrn Schäfer-Elmayer, warum Lehrer heute oft überfordert sind, und die nötige Autorität missen: Ich habe während meiner ganzen Schulzeit keine einzige Lehrerin gehabt, heute ist der Beruf total weiblich dominiert. Viele Frauen ergreifen den Beruf nicht aus Berufung, sondern weil es praktisch ist, wenn sie eigene Kinder haben. Sie haben in den Schulferien und am Nachmittag frei. Aber das ist natürlich nicht der Sinn der Sache, weil solche Frauen dann sehr schnell überfordert sind, wenn sie das nicht aus innerer Berufung machen.

Na ist das schön chauvinistisch? Hab ich zu viel versprochen? Money Boy widerspricht hier nicht, sondern setzt noch drauf: Ich habe auch den Eindruck, dass das viele Lehrer nicht aus Berufung machen und nicht unbedingt die am besten geeigneten Personen Lehrer werden. Weil die vielleicht dann andere Berufe ergreifen.

Wer jetzt, die Frauen als Lehrer oder doch alle? Oder meint er die Männer ergreifen andere Berufe, weil sie dort die geeigneten Personen sind? Ich meine ich kenne nicht nur gute Lehrer, aber die meisten, die ich persönlich kenne, und die ich auch durch meine Tochter kennen gelernt habe, waren durchwegs engagiert und bemüht.

Aber um zu Schäfer-Elmayer zurück zu kommen. Als der Mann die Schulbank drückte war es 1952-1964 (ich nehme eine normale Schulzeit mit Matura an). In dieser Zeit waren etwa 20% der Frauen zwischen 15 und 60 berufstätig. Etwas weniger als 1% hatten eine akademische Ausbildung (die bekanntlich zum Unterrichten benötigt wird), schon aus diesen demografischen Gründen dürften Lehrerinnen selten gewesen sein.

Ein zweiter Grund dürfte auch die Änderung des sozialen Stellenwerts des Berufs sein. Wir wissen doch alle, dass Männer vor allem in angesehene Berufe drängen, noch immer sind 90% der Uni-Professoren Männer, Vorstände von großen Firmen bestehen fast ausschließlich aus männlichen Mitgliedern, und das, obwohl mittlerweile 10% der Frauen einen Uni-Abschluss haben (das ist nur knapp weniger als die 11% bei den Männern). Lehrer zählt aber schon lange nicht mehr zu den „renommierten“ Berufen. Während wir in den 60er Jahren noch die Dreifaltigkeit Bürgermeister, Pfarrer und Lehrer hatten, die in einem Ort alles bestimmten, ist dies heute schon lange nicht mehr der Fall. Lehrer sind eine Art Kindergärtner für größere Kinder in der Vorstellungswelt der meisten Menschen. Das gilt vor allem für Volksschullehrer aber in zunehmendem Maße auch für alle anderen. Kindergärtner waren aber schon immer fast ausschließlich Frauen. Warum wundern wir uns also?

Um am Ende noch etwas wüstes zu zeigen, damit ihr euch mit mir ärgern könnt hab ich hier den Money Boy:

Ich habe doch letztens erzählt, dass eine meiner Lieblingssites das Spektrum der Wissenschaft, ist. Jetzt hatte ich wieder einen gewaltig genialen. Frederick Bonato und Kollegen vom Saint Peters College in New Jersey untersuchten einen bösartigen Teppich, der seinen Besitzern Kopfschmerzen und Übelkeit verursachte.

Tatsächlich erzeugte der Teppich auch bei 22 Studenten Symptome, die in einem Test als Seekrankheit diagnostiziert wurden. Damit konnte bewiesen werden, das allein eine optische Täuschung dazu führen kann, sich übel zu fühlen, bisher gab es nur den klassischen Fall, Körper bewegt sich, obwohl er denkt er steht still oder den semi-klassischen Körper ist in Ruhe, aber ein betrachtetes Bild bewegt sich. Unser Körper versucht also mit allen Mitteln uns vom Meer fernzuhalten. Hier im übrigen das Bild des üblen Teppichs:

Quelle: Bonato et al., Perception 40, S. 493 - 496, 2011

Quelle: Bonato et al., Perception 40, S. 493 - 496, 2011

Schiffe und andere Unwegsamkeiten

Womit wir bei dem Thema Schiffe sind. Eigentlich wollte ich über etwas sinnvolles wie Gleichberechtigung oder Bildung schreiben, aber das von mir häufig konsumierte ARD-Morgenmagazin hat in den letzten Tagen immer wieder, mit einer ziemlichen Penetranz, zum Thema Costa Concordia (passt zu meinem Titel) berichtet.

Hier einige Gedanken von mir: Auf der Costa Concordia sind bisher knapp unter 30 Menschen tot geborgen worden. Ein ziemlich sinnloser und trauriger Verlust. Dennoch stellt sich mir die Frage, warum hören wir über dieses Kreuzfahrtschiff so viel, über verschwundene Flüchtlinge im Mittelmeer aber hören wir praktisch nie etwas.

Laut UNHCR (hier der Artikel) sind letztes Jahr mehr als 1500 Menschen bei der Flucht aus Afrika ums Leben gekommen. Ich möchte an dieser Stelle die Möglichkeit nutzen auch diesen Menschen zu gedenken. Menschen die oft alles, was sie besaßen dafür hergaben, damit ihre Kinder oder ihr Ehemann nach Europa zu kommen. Oft in der falschen Hoffnung hier bei uns könnten sie zumindest genug verdienen, dass die zu Hause Gebliebenen ein menschenwürdiges Leben führen können. Natürlich wissen wir, dass das praktisch nie funktioniert, die in Europa oder auf dem Meer aufgegriffen, werden fast vollständig wieder zurück geschickt.

Um den Artikel aber etwas versöhnlicher zu beenden. Kauft Euch weiß-schwarz karierte Teppiche. Sie sind billiger als eine Kreuzfahrt, und sie bringen einem sogar zum Kotzen.